Konstanz – Großer Wille, Kampf und Herzblut haben der HSG Konstanz, getragen von einer fantastischen Atmosphäre und Unterstützung durch ihre Fans, im wichtigen Drittliga-Spitzenspiel gegen die SG Pforzheim-Eutingen lange nicht mehr für möglich gehaltene Punkte beim 34:32 (13:15)-Heimsieg beschert.
Vor dem letzten Spiel des Jahres am Samstag bei den Rhein-Neckar Löwen II konnte die HSG die Pforzheimer – laut Vereinsmitteilung – somit wieder überholen. Ganz große Erleichterung herrschte auf Konstanzer Seite nach einem wahren Handball-Krimi.
Lange sah es nicht nach einem „Happy End“ für die Gastgeber aus, die über fast die komplette Spielzeit zurücklagen. Sich zwischenzeitlich wieder mit großem Aufwand und Einsatz zurückkämpften, nur um sich selbst postwendend mit einfachen Fehlern alles wieder selbst einzureißen.
So war es lange ein Nervenspiel. „Das war eine echte Energieleistung“, fasste Jörg Lützelberger in wenigen Worten treffend zusammen, was sich in einem intensiven Schlagabtausch zugetragen hatte. Der HSG-Coach sagte nach einem für ihn „spektakulären Match“.
„Wir sind aktuell nicht in der Phase Hurra-Handball, wir sind in einer Phase, in der wir über Kampf und Glaube wieder in eine stabilere Form kommen wollen und werden.“ Damit hatte er den wichtigsten Aspekt aus Konstanzer Sicht bereits erwähnt: Den nimmermüden Einsatz zu jeder Sekunde des Spiels – trotz wiederkehrender Rückschläge.
Denn davon gab es – so die HSG weiter – einige. Schon früh gingen die Nordbadener durch den starken Julian Broschwitz mit 3:1 in Front. Beide Mannschaften konnten sich dabei auf gute Torhüter verlassen, die viele schwere Würfe entschärften. So hielt zunächst Tom Göres gut für die HSG, dann Maximilian Wolf – ehe später noch einmal die Stunde von Göres schlagen sollte.
Pforzheim zeigte sich dabei im Stile einer Spitzenmannschaft, wirkte sehr reif, geduldig und effektiv in seinen Offensivbemühungen und variabel in der Deckung. Nach rund einer Viertelstunde drückte sich dies in einer 9:5-Führung für die Gäste aus.
In der 25. Spielminute musste die SG aus Pforzheim nach einem Gesichtstreffer gegen Christos Erifopoulos allerdings die Rote Karte und Disqualifikation für Ingo Catak verkraften. Aron Czako hatte sich nach schwerem Start zurückgekämpft und in dieser Szene die Vorlage noch zum 10:13 vollenden können.
Lars Michelberger konnte zudem einige einfache Tore beisteuern – und es war wieder alles offen. Vor allem, als die Konstanzer super aus der Pause zurückkamen und binnen fünf Minuten nach einem Doppelschlag von Czako zum 17:17 ausgleichen konnten.
Nur vier Minuten und vier haarsträubende technische Fehler später leuchtete jedoch schon wieder ein 18:22 von der Anzeigetafel. Minuten und Geschehnisse, die als Abziehbild für ganz ähnliche Abläufe im späteren Verlauf dienten konnten. Bei weitem sei nicht alles glatt und fehlerlos auf Konstanzer Seite gelaufen.
Bemerkenswerte Moral hielt sie allerdings immer wieder im Spiel. So, als Michel Stotz, Felix Sproß und Czako mit einem 3:0-Lauf den lautstark gefeierten 24:24-Ausgleich markieren konnten. Einen ordentlichen Schub bekam die Mannschaft nun durch ihre emotional mitgehenden Zuschauer – und durch die Hereinnahme des 19-jährigen Youngsters Mathieu Fenyö.
Der zeigte sich gerade in den Eins-gegen-eins-Duellen ganz schwer zu stoppen und markierte fünf Treffer. Dazu übernahmen Fynn Beckmann und der wieder bärenstark aufspielende, sehr zuverlässige Lukas Köder viel Verantwortung.
Gerade Köder traf auch aus ganz schwierigen Positionen und ließ die eigenen Anhänger nach einem neuerlich egalisierten Zwei-Tore-Rückstand explodieren – 31:30 (58.), nachdem zuvor Göres einen freien Wurf von Rechtsaußen sehenswert pariert hatte.
Die erste Führung für die HSG im gesamten Spiel. Fenyö mit einem Doppelschlag stellte auf 33:31 und sorgte für ein Tollhaus „Schänzle-Hölle“. Pforzheim ging noch einmal mit dem siebten Feldspieler „all in“ – doch Michel Stotz sorgte mit der Sirene für den 34:32-Endstand und großen Jubel bei den „Gelb-Blauen“.